Warum ich meinen Kindle Paperwhite nicht mehr hergebe

Als ich mir vor zirka einem Monat den Kindle Paperwhite bestellte, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich hatte viel über den Kindle gehört und noch mehr darüber gelesen. Dass es ein Leseerlebnis wie auf Papier sein sollte, selbst bei strahlendem Sonnenlicht, aber auch in der Dunkelheit angenehm zu lesen. Ich hatte gehört, dass E-Ink das „next big thing“ sein sollte und dass man mit dem Kindle nur noch alle paar Wochen – wenn überhaupt – eine Steckdose aufsuchen müsse.

Man hatte mir vorgeschwärmt und ich reagierte – wie so oft – kritisch. Ich hatte ein iPad, später ein iPad mini, und sowieso: Wer liest schon Bücher in elektronischer Form?! Die paar Bücher (die ich dann doch als eBook las – denn der Weg zum nächsten Buchladen ist im Endeffekt beschwerlicher, als zum selben Preis direkt auf der Couch liegen bleiben zu können) konnte ich unter einem schattigen Baum doch wunderbar lesen. Sofern die Sonne nicht durch die Äste schien und unter der Voraussetzung, dass ich genug Akku hatte, ging das sogar verdammt gut.

Ich ließ mich schließlich doch überreden – diesmal waren es weder Freunde, noch angesagte Tech-Blogs, die mir vom Kindle vorschwärmten, sondern ich selbst – und beschloss, mir den Kindle Paperwhite zu bestellen. Immerhin bietet Amazon ja ein 30 Tage-Rückgaberecht, von welchem ich schon oft Gebrauch gemacht habe, um Sachen einfach mal auszuprobieren.

Der Kindle Paperwhite bei Tageslicht
Der Kindle Paperwhite bei Tageslicht

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schickte ich also meine Bestellung ab und musste, Prime sei dank, nur einen Dreivierteltag warten, bevor der Paketmann klingelte. Ausgepackt – interessant, dass das Päckchen gleichzeitig die eigentliche Verpackung ist – lag das gute Stück also vor mir und ich begutachtete es erst einmal von allen Seiten. Natürlich: Wie nicht anders zu erwarten, hatte Amazon eine Schutzfolie über das Display geklebt, welche mit einer tollen Schwarzweiß-Zeichnung eines lesenden Menschen unter einem Baum geschmückt war. Noch bevor ich die Folie abziehen wollte, kam mir ein Gedanke dazwischengeschossen: Was, wenn das keine Folie ist?!

Ich sah genauer hin und tatsächlich: Nach einem Druck auf den Anschalter (dem einzigen Knopf am Paperwhite, nicht wie beim iPhone, welches tatsächlich nämlich 5 Knöpfe / Schalter hat) veränderte sich das Display und ein Ladebalken erschien, gefolgt von einer kurzen, persönlichen Begrüßung. Das war also diese elektronische Tinte, von der jeder schwärmte und – verdammt – das Ding wusste meinen Namen! Hundert Pluspunkte dafür.

Das Display ist einfach phänomenal. Es ist nicht so hochauflösend wie ein iPad 3 / 4, sondern es sieht aus wie ein gedrucktes Buch. Die Buchstaben haben ebenfalls so ihre Ecken, Rundungen, Ausbuchtungen, wie sie entstehen, wenn man auf Buchpapier druckt. Kein Hochglanzprospekt, sondern eben ein gutes altes Buch. In hellem Sonnenlicht sehe ich den Text perfekt. Nichts blendet oder reflektiert. Wenn ich den Kindle genau in die Sonne drehe, wird das Display an der Stelle etwas heller, aber es blendet nichts. In Räumen kann ich die Hintergrundbeleuchtung aktivieren (das geht nur bei dem Paperwhite) und sehe die Schrift in schwarz auf fast weißem Hintergrund (Ohne Hintergrundbeleuchtung ist der Hintergrund grau, was aber in keinster Weise störend, sondern angenehm ist). Wenn ich im Bett ohne Nachttischlampe lesen möchte, kann ich die Beleuchtung auf ein Minimum reduzieren und bei fast völliger Dunkelheit bequem weiterlesen.

Nun, was soll ich sagen: Der Kindle Paperwhite hat mich vollkommen überzeugt! Es ist das perfekte Gadget zum Bücherlesen. Der Akku hält wochenlang (ich habe nicht nachgemessen), das Display ist eine wahre Augenweide, selbst nach stundenlangem Lesen. Er ist leicht und handlich, wie ein Taschenbuch und ich kann ihn individualisieren, indem ich mir größere Schrift oder sogar andere Schriftarten auswähle.

Natürlich gibt es auch Schattenseiten: So wird der Paperwhite niemals ein Ersatz zu meinem iPad mini werden, denn er hat eben nur ein Graustufendisplay. Apps laufen darauf nicht, aber das erwarte ich von einem eBook Reader auch nicht. Viele Leute haben sich auch über eine fleckige Hintergrundbeleuchtung beschwert und ja, ich sehe diese Flecken bei mir auch, aber sie sind nur leicht und schwach. Wer schon mal mit einem richtigen Buch unter einem Baum im Schatten gesessen hat, wird mehr Flecken gesehen haben, wenn die Sonne durch die Blätter geschienen hat. Außerdem gibt es beim Paperwhite auch Deadpixel. Damit meine ich nicht die tausend kleinen, symetrisch angeordneten hellen Mini-Nicht-Pixel, die das gesamte Display überziehen, sondern 3 oder 4 etwas dickere tote Pixel. Das stört beim Bilder anschauen (der Paperwhite hat auch einen integrierten Browser), aber beim Textlesen fallen diese in keinster Weise auf.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in die Welt des Kindle Paperwhite geben. Ich habe mich im Übrigen spezeill für den Paperwhite entschieden, da der normale Kindle keine Hintergrundbeleuchtung und der Kindle Fire ein normales Display hat, wie jedes handelsübliche Tablet, und kein augen- und batterieschonendes E-Ink Display.

Wenn du also mit dem Gedanken spielen solltest, dir einen Kindle zuzulegen – und diesen Gedanken hast du, sonst hättest du nicht bis hier her gelesen – dann lass dir von mir sagen: Tu es! Du kannst nichts falsch machen. Ich würde meinen Kindle nie wieder hergeben und werde auch heute Abend vor dem Schlafengehen wieder ein paar Seiten … oder Kapitel … oder Bücher … lesen. Wenn du gerne liest, wirst du den Kindle lieben. Und falls doch nicht: 30 Tage sollten zum Ausprobieren genügen. In der Zeit hast du jederzeit die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen, deine Bestellung bei Amazon zu stornieren, zurückzusenden und dein Geld wieder zu bekommen.

Meine 7 Thesen zur Freiheit

1. Ich will lieber von einem Terroristen ermordet werden, statt mein ganzes Leben lang überwacht werden.

2. Edward Snowden gehört der Friedensnobelpreis überreicht, statt ihn an die USA auszuliefern.

3. Wir alle sollten unsere Regierungen dazu auffordern, aktiv gegen eine Überwachung und die Auslieferung Snowdens vorzugehen. Gerade hier in Deutschland haben wir (noch) eine demokratisch gewählte Regierung. Bald sind Wahlen. Wenn keine der Parteien ein solches Wahlprogramm anbietet, müssen wir eben entweder in großem Maße die Wahlen boykottieren und den eigenen Stimmzettel ungültig machen, oder eben eine eigene Partei gründen, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzt.

Deutschland ist ein großes Land und wir können auch Druck auf andere Länder, wie Großbritannien oder die USA ausüben. Natürlich wird man uns belächeln und wieder nach Hause schicken, aber das passiert einzig und allein aus dem Grund, da die USA und Großbritannien davon ausgehen, dass wir auch wieder nach Hause gehen werden.

Wenn wir auf unser Recht auf Freiheit, ohne überwacht zu werden, bestehen und mit Militär, oder vielleicht sogar mit jedem einzelnen Bürger an der Grenze stehen, dann wird auch die dortige Bevölkerung aufwachen und die Regierung der USA und Großbritannien können das Ganze nicht einfach so leicht unter den Teppich kehren.

4. Ich wünsche mir, dass wir Bürger mehr Mut haben. Ich meine damit nicht den Mut, auf die Straße zu gehen und etwas zu zerstören. Dazu gehört kein Mut, das ist reiner Hass. Ich wünsche mir, dass wir Bürger friedlich protestieren. Natürlich werden wir auf Gegenwehr stoßen, vielleicht in den eigenen Reihen, spätestens an den Landesgrenzen. Wir dürfen uns davon aber nicht in unserem Glauben erschüttern lassen, dass die aktuelle Situation auf der Welt in eine falsche Richtung verläuft.

Es gehört unglaublich viel Mut dazu und das stellt uns vor ein Problem: Wenige einzelne Menschen werden diesen Mut haben und als geschlossene Masse werden wir diesen Mut ebenfalls besitzen. Wir müssen eine geschlossene Masse werden und das ist sehr schwierig. Der einzige Weg, wie wir das schaffen können, ist mit einer guten Organisation und viel Mundpropaganda. Wir müssen in unsere Familie über die aktuelle Situation reden und dass wir sie ändern werden, so dass wir wieder auf einer freien Erde leben können. Wir müssen auch mit unseren Freunden darüber reden, mit unseren Verwandten, Bekannten, Kollegen, ja, auch mit Fremden, mit denen wir ins Gespräch kommen. Wenn jeder darüber Bescheid weiß, so glaube ich, wird die Bereitschaft, etwas dagegen zu unternehmen, stärker sein.

5. Ich wünsche mir deine, der du das bis hier hin gerade gelesen hast, aktive Beteiligung. Für den Anfang würdest du mir schon sehr viel helfen, wenn du mir deine Meinung dazu sagst. Vielleicht hast du einen Fehler in meinem Gedankengang entdeckt. Möglicherweise weißt du, wie wir besser zu unserem Ziel kommen. Nur wenn wir zusammen arbeiten, können wir auch etwas erreichen. Das fängt hier im Kleinen an und endet mit unserer Freiheit.

6. Ich will keinen Hass schüren. Weder gegen die Regierungen und Geheimdienste der USA und Großbritanniens, noch gegen unsere eigenen Regierung. Wir haben so viel Hass auf dieser Welt und Hass ist das, was die Regierungen benutzen, um uns langsam unserer Freiheit zu berauben. Nur weil eine arme, verwirrte Seele eine schreckliche Tat vollbracht und Menschen ermordet hat, schüren Regierungen Hass gegen ganze Gruppierungen und wandeln unseren Hass in Angst. Was wir brauchen ist der liebevolle Umgang nicht nur untereinander, sondern auch der liebevolle Umgang mit den Regierungen und Geheimdiensten. Auch dort leben nur Menschen und auch diese Menschen haben Gefühle. Viele dieser Menschen sind vermutlich Opfer ihres eigenen Hasses, oder Opfer des Hasses ihrer Vorgesetzten geworden und handeln darum nun so, wie sie es derzeit tun. Wir dürfen diese Menschen nicht verurteilen, denn ich weiß, dass ich als Geheimagent genauso handeln würde. Ich würde euch genauso überwachen, weil ich es unter diesen Umständen und diesem Ort für das Richtige empfände.

Darum bitte ich dich, auch wenn du gleich hier kommentierst: Hilf mir und uns durch klare, konstruktive Gedankengänge eine friedliche Lösung für uns alle zu finden. Rede mit den Menschen in deinem Leben darüber, aber lass es nicht zu einem hasserfüllten Kneipengespräch ausarten. Wir brauchen unsere gesamte Kraft um auf einen grünen Zweig zu kommen und ich bin fest davon überzeugt, dass wir dies auch schaffen.

7. Danke, dass du bis hierher gelesen hast und diesen Beitrag nicht schon längst wieder weggeklickt hast. Du hast meine Erwartungen an dich übertroffen und ich möchte dir meine tiefe Dankbarkeit ausdrücken. Damit habe ich schon mehr erreicht, als ich es je für möglich gehalten hätte.

Hochwasser

Eine schreckliche Tragödie, die sich im Moment in Deutschland und Österreich abspielt. Hochwasser überflutet unser Land und zerstört alles, was ihm in die Quere kommt. Wir können aber – anders als normalerweise in unserer Gesellschaft – niemandem die Schuld in die Schuhe schieben. Die Natur ist wie sie ist, weder gut, noch böse.

Ich bete, dass niemand dabei zu Schaden gekommen ist und sich der materielle Schaden in Grenzen hält. Ich weiß, dass es schon Tote gab. In meine Gebete schließe ich sie ein.

Ich denke dabei aber auch daran, wie ich reagieren würde, wenn mir durch solch eine Katastrophe plötzlich alles genommen würde. Mein gesamter Besitz. Alles wofür und womit ich lebe, alles was mich glücklich macht. Und dann erinnere ich mich wieder an meine Katze, die nichts braucht, außer Essen und gute Freunde, um glücklich zu sein. Und ich merke, dass auch mir das reichen sollte. Materieller Besitz, zivilisierte Lebensumstände – das alles kann uns jederzeit genommen werden.

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Panorama vom Hochwasser unterhalb Schleuse Lauffen @ ca. 570cm Pegel Lauffen

Ich wäre unglücklich, würde ich mein Hab und Gut verlieren, doch ich frage mich: Wie lange? Könnte ich mich daran gewöhnen, frei zu sein? Frei von materiellem Besitz. Mit nichts als meinem Fell, Essen und guten Freunden ein schönes Leben führen?! So wie meine Katze???

Optimistisch sage ich: „Ja“ Und lächele. Materielle Dinge brauchen wir nicht zum Leben. Man kann uns alles nehmen, doch Optimismus und Glück sind Herzenssache. Dennoch bete ich – jetzt noch mehr – für die Menschen, die der Flut zum Opfer fielen. Dass sie ihre Angehörigen nicht verlieren, ihre Freunde und Mitbürger. Dass sie genug zu Essen haben und ein warmes, weiches Fell, in das sie sich kuscheln können. Und all den materiellen Besitz und die zivilisierten Lebensumstände, die ihnen so viel bedeuten.

Das wünsche ich ihnen von ganzem Herzen!

Ein Land voller Traurigkeit

Wenn ich durch die Straßen ziehe, wie auch wenn ich mich durchs Internet lese, sehe ich so viele Menschen voller Traurigkeit. Ich frage mich dann oft, ob dies nur ein kurzfristiger Zustand ist – einen schlechten Tag hat immerhin jeder einmal – oder ob ihr Leben tatsächlich von so viel Traurigkeit geprägt ist.

Wenn ich in mein eigenes Herz hineinfühle, dann fühle ich ebenfalls viel Leid und Schmerz. Es gibt tausende Dinge, die mich traurig machen, obwohl ich doch glücklich sein müsste. Ich habe ein Dach über dem Kopf, jeden Tag etwas zu essen, ja ich muss nicht einmal zu Fuß durch die Welt laufen, weil ich ein eigenes Auto habe. Ich habe Freunde mit denen ich feiern kann, einen Fernseher, der mich mit Filmen und Shows berieselt, habe einen Laptop, ein Smartphone und Internet.

Nichtsdestotrotz fühle ich Traurigkeit in meinem Herzen – und sehe sie in den Augen meiner Mitmenschen. Eine tiefe Traurigkeit, obwohl es uns doch an nichts fehlt. Prinzipiell müssten wir doch alle glücklich sein. Doch wir sind es nicht.

Ein Land voller Traurigkeit
Ein Land voller Traurigkeit

Ich fühle tiefer in mein Herz hinein und entdecke ein Gefühl. Es ist klein und schwach und ich folge ihm, immer tiefer. Umso weiter ich fühle, desto stärker wird dieses Gefühl. Plötzlich spüre ich, wie es mich erfüllt. Erst schwach, dann immer stärker. Es ist wie dieses Prickeln, wenn du unsterblich verliebt bist, diese Wärme, wenn dir das größte Glück des Lebens widerfährt. Dieses Gefühl, dass du die ganze Welt umarmen könntest.

Ich versuche zu erkennen, woher dieses Gefühl kommt. Irgendwo muss es doch seinen Ursprung haben. Ich finde ihn nicht.

Ich werde aus meinen Gedanken herausgerissen. Mein Smartphone schreit nach mir. Ein Kommentar von Jemandem, der unzufrieden mit sich und seinem Leben ist und diese Unzufriedenheit nun auf seine Mitmenschen überträgt. Ja, ich kenne diese Taktik nur zu gut. Wenn es mir schlecht geht, ertappe ich mich oft dabei. Ich beschimpfe den lahmarschigen Autofahrer vor mir, finde tausend Gegenargumente gegen einen Angesagten Beitrag auf Google+ und manchmal schreie ich auch meine Freunde wegen Nichtigkeiten an.

Es gibt keine bessere Möglichkeit, um wieder neue Energie zu tanken. Dem hab ich es richtig gegeben und seinen beschissenen guten Tag zunichte gemacht. Wenn es mir nicht gut geht, soll es niemandem sonst gut gehen.

Schnell mal die Nachrichten checken. Wieder 10 Tote bei einem Anschlag in Afghanistan. Das geht ja noch. Von den Afghanen halte ich ja eh nicht so viel, die sind der Feind unserer Gesellschaft. Zwei Menschen haben sich von einem Foxconn-Gebäude gestürzt. Diese Chinesen sollen nicht so jammern. Immerhin dürfen sie für Apple verdammt geile Smartphones produzieren. Irgendein Aufsichtsratvorsitzender wurde beim Steuerbetrug erwischt. Oder hat er sich selber gestellt? Egal, die Sau gehört an den Pranger! Kann ja nicht sein, dass hier jemand ungestraft Glück haben darf, während man mir für selbiges den Garaus machen würde. Und sowieso: Ist hier noch irgendjemand mit Doktortitel unterwegs? Ich habe hier noch ein paar ungeworfene Steine im Gepäck.

Ich bin voller Aggression und Wut, wie furchtbar unsere Welt doch ist. Meine Mitmenschen sind alles Arschlöcher, die man am besten lebenslänglich wegsperren solle. Ich schreibe das auf Twitter. Mir geht es besser.

Da war doch noch was. Ich erinnere mich: Dieses Gefühl, dem ich nachging. Hallo Herz, da bin ich wieder.

Schweigen.

Ich konzentriere mich, höre in mein Herz hinein. Nichts. Während ich mir noch Gedanken mache, wo dieses Gefühl auf einmal hin verschwunden ist, bekomme ich eine Erinnerung aufs Smartphone: 20:15 Uhr. Stefan Raab lässt sich mal wieder von jemandem schlagen. Ich liebe diese Sendung. Ab auf die Couch, Chips und Coke natürlich mit dabei. Nach fast fünf Stunden ist die Show vorbei. Raab hat wieder einmal gewonnen. Zum Glück, denn der Kandidat war mir von Anfang an schon nicht sympathisch. Der hat es nicht verdient.

Ich mache mich bettfertig. Heute war ein guter Tag.
Und dennoch: Als ich die Augen schließe, überkommt mich erneut ein Gefühl von Traurigkeit. Ich sehe die Menschen, die heute in der Stadt an mir vorbei liefen, vor meinem inneren Auge. Sie schauen mich mit traurigen, fast leeren Augen an. Ich lächele ihnen zu, denn sie tun mir irgendwie leid, doch sie laufen einfach an mir vorbei. Sie sind nicht tot, noch nicht. Nur leer.

Ich fühle in mein Herz hinein. Leid und Schmerz. War heute nicht ein guter Tag? Ich fühle weiter, immer tiefer. Der Schmerz wird größer.

Mir fallen die Augen zu.
Heute war ein Scheiß Tag.
Ich war scheiße. Zu meinen Mitmenschen.

Und dann ist da wieder dieses Gefühl.
Ich lebe. Mehr denn je!

Der Weg ist das Ziel

Wäre ich ein weiser alter Mann, so würde ich diesen Beitrag mit den folgenden Worten beginnen: „An dem Weg, den du mit deinen Freunden gehst, erkennst du ihre Persönlichkeit.“

Ich bin kein weiser alter Mann, darum beginne ich meinen Beitrag nicht mit den oben geschriebenen Worten, sondern möchte euch von einem sehr guten Freund erzählen, Steven. Wenn ich manchmal jemanden zum Reden brauche, so ist er oft meine erste Anlaufstelle. Egal worum es geht – Steven hat stets ein offenes Ohr. Meistens machen wir dann einen ausgedehnten Spaziergang und reden so lange bis es dunkel wird. Dass ich beim spazieren gehen am besten Nachdenken kann, weiß ich schon lange. Es ist fast schon eine Art Meditation, das Gehen. Sich ständig wiederholende Schritte, gleichmäßiges Atmen, ein Weg, welcher dich zu einem Ziel führt – oder im großen Bogen wieder dorthin zurück, wo du hergekommen bist.

Als wir vor ein paar Tagen wieder mal spazieren gingen, wussten wir nicht so recht wohin wir gehen sollten. Nicht dass uns die bekannten Wege langweilig wurden – wir wussten einfach nur nicht wohin. So liefen wir also los, über uns bekannte Wege, und vertieften uns in eine wahrhaft tiefgründige Diskussion. Es ging um Buddhismus, um Liebe und darum, das Schöne in der Welt zu erkennen, statt ständig das Schlechte verbessern zu wollen. Während wir ganz in unseren Worten versunken waren, merkten wir gar nicht, dass wir statt unserem gewohnten Weg einen Pfad einschlugen, welchen wir normalerweise mieden. Erst als wir schon einige Meter weit gelaufen waren, erkannten wir, dass wir falsch gelaufen waren. Der Weg, den wir genommen hatten, war der, welcher nach ein paar Kilometern einfach mitten zwischen Feldern und Baumgruppen endete. Schluss. Finito. Es ist der einzige Weg in unserer Umgebung, welcher kein Ziel hat, keine Kreuzung oder Gabelung, keine Bank, einfach nur Weg. Früher war ich der Ansicht – so schön dieser Weg auch ist und so toll die Aussicht über das Tal von dort oben aus auch sein mag – dass dieser Weg ein toter Weg ist. Ein Weg ohne Ziel eben. Doch an diesem Tag wurde mir bewusst, dass er mehr ist: Während der Anfang noch breitflächig seinen Platz zwischen den Feldern einnimmt, so wird er zum Ende hin immer enger und schlängelnder. An vielen Stellen hat sich die Natur ihren Lebensraum zurückgeholt und lässt kleine Pflanzen zwischen aufgebröckelten Ritzen empor schießen.

Ein Weg bei Sonnenuntergang
Der Weg ist das Ziel

Während wir weiter diesen Weg entlang schlenderten, wurde uns bewusst, wie besonders dieser Weg doch ist. Die Natur grünt in all ihrer Pracht und bietet einen wahrhaft beeindruckenden Ausblick auf all die umliegende Natur, all die Dörfer und alles das, was ich meine Heimat nennen darf. Am Ende angekommen, merkten wir, dass wir uns noch viel zu viel zu erzählen hatten – der Rückweg würde bei Weitem nicht genügen. Und so beschlossen wir, uns nieder zu lassen, auf dem von den letzten Sonnenstrahlen gewärmten Steinboden, und erzählten und erzählten und erzählten. Bis es dunkel wurde. Erst jetzt erkannten wir, dass uns während der gesamten Zeit kein einziger Mensch begegnet war. Niemand nutzte diesen Weg. Niemand außer uns. Und während wir langsam wieder nach Hause spazierten, unterhielten wir uns über diese Erkenntnis. Darüber, dass wohl viele Menschen andere Wege einschlagen werden, weil sie ein Ziel brauchen. Eine Bank. Eine Gaststätte. Andere Menschen. Umso schöner empfanden wir jedoch die Tatsache, dass wir diesen Weg nun endlich verstanden.

Es ist nicht das Ziel, das einen Weg besonders macht, sondern das Besondere, das einen Weg zum Ziel macht. Wir lieben diesen kleinen, vergessenen Weg. Den Weg ohne Ziel. Und wir werden ihm nun viel öfter einen Besuch abstatten. Dem Weg, den niemand mehr begehen mag.

Warum der Google Reader sterben musste

Seitdem ich aktiv im Internet zugange bin, nutze ich den Google Reader für meinen täglichen Nachrichtenüberblick. Schön sortiert warten hier meine Lieblingsblogs nur darauf, von mir gelesen zu werden. Ebenfalls mit an Bord die hundertdrölf anderen Blogs und News-Seiten, welche ich abonniert habe, um mir ein Gesamtbild des Internets der letzten Tage machen zu können.

Als Google bekannt gab, dass sie den Google Reader Ende Juni vom Netz nehmen werden, war meine Fassungslosigkeit groß. Klar, der Reader wurde seit längerem nicht mehr wirklich weiter entwickelt und angeblich nutzten ihn auch gar nicht mal so viele Menschen, aber ihn deshalb einfach einzustellen – unmöglich! Ich sah mich nach Alternativen um, fand Feedly, einige andere mehr oder minder schöne, meist eher funktionale RSS-Reader, war von Feedly sogar recht angetan, aber so wirklich warm wurde ich mit keinem der neuen RSS-Reader, die sich mir darboten. Im Internet hatte man sich derweil vom ersten Schrecken erholt und man munkelte, dass durch den Wegfall des Google Readers andere RSS-Reader einen Aufschwung erleben.

Ich will hier nicht weiter darauf eingehen, ob RSS tot oder lebendig ist. Ich vermute aber, dass Google seine Schritte sehr weise plant und möglicherweise mehr über uns weiß, als wir selbst. Zumindest, wenn es um das Verhalten der Massen geht. In meinem Freundeskreis nutzt niemand den Google Reader, genauso wenig in meiner Familie. Meine Arbeitskollegen, alles webaffine Menschen, nutzen ihn. Und da liegt der Hund begraben: Ich behaupte, dass Google genau weiß, wie die Menschen reagieren werden, wenn ihnen der Google Reader genommen wird. Genau so wie ich selber reagierte.

Google+
Die typische Stream-Ansicht von Google+

Nach dem ersten Aufschrei und nach einigen Tagen mit Feedly ertappte ich mich immer öfter dabei, dass ich plötzlich gar keine Feeds mehr lese. Nach einer Schreckenssekunde und dem hastigen Durchscrollen der letzten News im Google Reader, merkte ich, dass ich all das, was dort stand, schon längst wusste. Wie das?

Statt mich mit neuen Feed-Readern anzufreunden und mir die Mühe zu machen, hier etwas anständiges und bodenständiges zu finden – denn Google hatte nun die Angst in mir geschürt, wenn auch nur unterbewusst, dass jeder Webdienst morgen eingestellt nicht mehr da sein könnte – griff ich auf Altbewährtes zurück. Und das war Google+. Genau das ist die Marschrichtung, die Google vorgibt und erstaunlicherweise folgen sehr viele schön brav. Google+ bietet mir alles, was ich von meinem Feedreader gewohnt war, ja, sogar noch viel mehr. Ich kann aktuelle Beiträge von den Menschen oder Seiten, welche mich interessieren, lesen. Ich kann in den Angesagten Beiträgen lesen, was die Welt bewegt. In Communities kann ich mich über bestimmte Themen informieren. Dazu kann ich kommentieren und weiterteilen (Anmerkung: Diese Funktionen wurden schon vor einiger Zeit aus dem Google Reader gestrichen und stattdessen durch Sharing-Buttons zu Google+ ersetzt).

Alles in Allem müsste ich also mit Google+ vollkommen zufrieden sein. Müsste. Leider fehlt mir derzeit die Möglichkeit, alle Beiträge zu sehen, am Besten sogar in chronologischer Reihenfolge, als gelesen zu markieren und wichtige Beiträge nicht zu verpassen. Google+ bietet derzeit die Möglichkeit, sich über bestimmte Nutzer, Seiten oder Communities per Benachrichtigung informieren zu lassen. Diese Funktion ist derzeit allerdings noch nicht wirklich ausgereift, da sich bei maximal 10 angezeigten Benachrichtigungen im Notification-Center die anderen schnell mal in der Versenkung verlieren. Das ist schade und ich bin mir sicher, dass Google hier weiterhin daran arbeiten wird. Andererseits ist es im Grunde gar nicht schlimm, dass ich nicht alle Beiträge zu sehen bekomme. Google filtert hier vor und zeigt mir nur, was mich interessieren könnte.

Der schmale Grad zur Zensur und einem beschönigten Internet ist hier verdammt schmal. Dennoch war ich beim Google Reader stets damit beschäftigt Herr meiner ganzen ungelesenen Beiträge zu werden und seien wir mal ehrlich: Mit einem leer-gelesenen Feed-Reader schläft es sich einfach besser. Meiner war jeden Abend noch halb voll.

Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass viele Blogger und News-Schreiber sich nach ihrem ersten Aufschrei wieder etwas beruhigen werden und statt zu einem alternativen Feed-Reader zu Google+, wo sie eh schon angemeldet sind, greifen werden. Ich habe feststellen dürfen, dass ich mich dort jedenfalls sauwohl fühle und abends über alles informiert, aber nie überfordert, bin.

Und die anderen … die Anderen werden mit Sicherheit eine Alternative zum Google Reader finden. Da bin ich mir ganz sicher.