Warum ich meinen Kindle Paperwhite nicht mehr hergebe

Als ich mir vor zirka einem Monat den Kindle Paperwhite bestellte, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich hatte viel über den Kindle gehört und noch mehr darüber gelesen. Dass es ein Leseerlebnis wie auf Papier sein sollte, selbst bei strahlendem Sonnenlicht, aber auch in der Dunkelheit angenehm zu lesen. Ich hatte gehört, dass E-Ink das „next big thing“ sein sollte und dass man mit dem Kindle nur noch alle paar Wochen – wenn überhaupt – eine Steckdose aufsuchen müsse.

Man hatte mir vorgeschwärmt und ich reagierte – wie so oft – kritisch. Ich hatte ein iPad, später ein iPad mini, und sowieso: Wer liest schon Bücher in elektronischer Form?! Die paar Bücher (die ich dann doch als eBook las – denn der Weg zum nächsten Buchladen ist im Endeffekt beschwerlicher, als zum selben Preis direkt auf der Couch liegen bleiben zu können) konnte ich unter einem schattigen Baum doch wunderbar lesen. Sofern die Sonne nicht durch die Äste schien und unter der Voraussetzung, dass ich genug Akku hatte, ging das sogar verdammt gut.

Ich ließ mich schließlich doch überreden – diesmal waren es weder Freunde, noch angesagte Tech-Blogs, die mir vom Kindle vorschwärmten, sondern ich selbst – und beschloss, mir den Kindle Paperwhite zu bestellen. Immerhin bietet Amazon ja ein 30 Tage-Rückgaberecht, von welchem ich schon oft Gebrauch gemacht habe, um Sachen einfach mal auszuprobieren.

Der Kindle Paperwhite bei Tageslicht
Der Kindle Paperwhite bei Tageslicht

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schickte ich also meine Bestellung ab und musste, Prime sei dank, nur einen Dreivierteltag warten, bevor der Paketmann klingelte. Ausgepackt – interessant, dass das Päckchen gleichzeitig die eigentliche Verpackung ist – lag das gute Stück also vor mir und ich begutachtete es erst einmal von allen Seiten. Natürlich: Wie nicht anders zu erwarten, hatte Amazon eine Schutzfolie über das Display geklebt, welche mit einer tollen Schwarzweiß-Zeichnung eines lesenden Menschen unter einem Baum geschmückt war. Noch bevor ich die Folie abziehen wollte, kam mir ein Gedanke dazwischengeschossen: Was, wenn das keine Folie ist?!

Ich sah genauer hin und tatsächlich: Nach einem Druck auf den Anschalter (dem einzigen Knopf am Paperwhite, nicht wie beim iPhone, welches tatsächlich nämlich 5 Knöpfe / Schalter hat) veränderte sich das Display und ein Ladebalken erschien, gefolgt von einer kurzen, persönlichen Begrüßung. Das war also diese elektronische Tinte, von der jeder schwärmte und – verdammt – das Ding wusste meinen Namen! Hundert Pluspunkte dafür.

Das Display ist einfach phänomenal. Es ist nicht so hochauflösend wie ein iPad 3 / 4, sondern es sieht aus wie ein gedrucktes Buch. Die Buchstaben haben ebenfalls so ihre Ecken, Rundungen, Ausbuchtungen, wie sie entstehen, wenn man auf Buchpapier druckt. Kein Hochglanzprospekt, sondern eben ein gutes altes Buch. In hellem Sonnenlicht sehe ich den Text perfekt. Nichts blendet oder reflektiert. Wenn ich den Kindle genau in die Sonne drehe, wird das Display an der Stelle etwas heller, aber es blendet nichts. In Räumen kann ich die Hintergrundbeleuchtung aktivieren (das geht nur bei dem Paperwhite) und sehe die Schrift in schwarz auf fast weißem Hintergrund (Ohne Hintergrundbeleuchtung ist der Hintergrund grau, was aber in keinster Weise störend, sondern angenehm ist). Wenn ich im Bett ohne Nachttischlampe lesen möchte, kann ich die Beleuchtung auf ein Minimum reduzieren und bei fast völliger Dunkelheit bequem weiterlesen.

Nun, was soll ich sagen: Der Kindle Paperwhite hat mich vollkommen überzeugt! Es ist das perfekte Gadget zum Bücherlesen. Der Akku hält wochenlang (ich habe nicht nachgemessen), das Display ist eine wahre Augenweide, selbst nach stundenlangem Lesen. Er ist leicht und handlich, wie ein Taschenbuch und ich kann ihn individualisieren, indem ich mir größere Schrift oder sogar andere Schriftarten auswähle.

Natürlich gibt es auch Schattenseiten: So wird der Paperwhite niemals ein Ersatz zu meinem iPad mini werden, denn er hat eben nur ein Graustufendisplay. Apps laufen darauf nicht, aber das erwarte ich von einem eBook Reader auch nicht. Viele Leute haben sich auch über eine fleckige Hintergrundbeleuchtung beschwert und ja, ich sehe diese Flecken bei mir auch, aber sie sind nur leicht und schwach. Wer schon mal mit einem richtigen Buch unter einem Baum im Schatten gesessen hat, wird mehr Flecken gesehen haben, wenn die Sonne durch die Blätter geschienen hat. Außerdem gibt es beim Paperwhite auch Deadpixel. Damit meine ich nicht die tausend kleinen, symetrisch angeordneten hellen Mini-Nicht-Pixel, die das gesamte Display überziehen, sondern 3 oder 4 etwas dickere tote Pixel. Das stört beim Bilder anschauen (der Paperwhite hat auch einen integrierten Browser), aber beim Textlesen fallen diese in keinster Weise auf.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in die Welt des Kindle Paperwhite geben. Ich habe mich im Übrigen spezeill für den Paperwhite entschieden, da der normale Kindle keine Hintergrundbeleuchtung und der Kindle Fire ein normales Display hat, wie jedes handelsübliche Tablet, und kein augen- und batterieschonendes E-Ink Display.

Wenn du also mit dem Gedanken spielen solltest, dir einen Kindle zuzulegen – und diesen Gedanken hast du, sonst hättest du nicht bis hier her gelesen – dann lass dir von mir sagen: Tu es! Du kannst nichts falsch machen. Ich würde meinen Kindle nie wieder hergeben und werde auch heute Abend vor dem Schlafengehen wieder ein paar Seiten … oder Kapitel … oder Bücher … lesen. Wenn du gerne liest, wirst du den Kindle lieben. Und falls doch nicht: 30 Tage sollten zum Ausprobieren genügen. In der Zeit hast du jederzeit die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen, deine Bestellung bei Amazon zu stornieren, zurückzusenden und dein Geld wieder zu bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.